Autor Thema: Uralter Plan  (Gelesen 5481 mal)

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Offline Frank

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #15 am: 16. Januar 2015, 22:17:45 »
In Reppist und Rauno gab es nie eine Kirche. Beide Dörfer waren nach Senftenberg "gepfarrt". Sauo bekam erst 1934 eine eigene Kirche.

Das weiß doch keiner, ob das "nie" auch bis 1630 zurückreicht. Ist jedenfalls meine Meinung.
Es wäre jedenfalls sehr interessant, herauszufinden, was das "zur Kirch" wirklich bedeutet.
Vielleicht können wir mehr kombinieren, wenn Harald die Gesamtkarte zur Verfügung stellt?

Gruß
Frank

Offline Frank66

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #16 am: 17. Januar 2015, 08:17:52 »
Das Reppist nie eine eigene Kirche hatte, kann man auch in der Reppister Chronik lesen.
« Letzte Änderung: 17. Januar 2015, 08:20:27 von Frank66 »

Offline Frank

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #17 am: 17. Januar 2015, 15:04:13 »
Ja, Frank66, es wird sicherlich auch stimmen, dass Reppist nie eine eigene Kirche hatte.
Aber Du weißt ja, ich hinterfrage die Dinge gerne. ;)
Es ist halt immer so eine Sache mit Chroniken - die wenigsten Autoren von Chroniken untersuchen Primärquellen. Meistens ist es so, dass einer einfach ungeprüft die Daten vom anderen übernimmt - und dann sind es schon zwei, die etwas behaupten. Und das kann man beliebig fortsetzen, am Ende sind es viele, die sagen: so und so war das. Und weil es viele sagen oder schreiben, wird es als Tatsache angesehen.

Aber zurück zum Ausdruck "zur Kirch" auf der Karte.
Ich könnte mir vorstellen, dass damit zum Ausdruck gebracht werden soll, dass Reppist zu einer bestimmten Kirche gehört, also praktisch eingepfarrt ist. Mich wundert nur, dass nicht angegeben ist, zu WELCHER Kirche es gehört (z. B. Kirche Senftenberg). Ohne die Angabe der Bezugskirche ist dieses "zur Kirch" doch irgendwie sinnlos, zumindest aus heutiger Sicht.

Offline Harald

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #18 am: 17. Januar 2015, 22:55:21 »
Die zusätzlichen Bemerkungen bei den Ortsangaben auf der Karte geben an, unter welcher VERWALTUNG das jeweilige Dorf steht bzw. welchem BESITZER es gehört.
z.B. 
Dorf Reppist = zur Kirch (der Kirche gehörig)

Dorf Sawe (Sauo) = zur Kirch

Meuro = ins Ampt Senfftenbergk

Trochaw (Drochow) = ist derer von Teschen (sächs. Adel)

Dorf Raune(o) = Ampt Senfftenbergk

Dorzewalde (Dörrwalde) = Ampt Senftenbergk 10 Man(n) und 9 Man(n) der Kirch und gemeinen Gotteskasten (Armenkasse)

Alles klar ?
« Letzte Änderung: 17. Januar 2015, 23:02:44 von Harald »

Offline Frank

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #19 am: 17. Januar 2015, 23:11:12 »
Nö!

 ;)

Soll es sich hier um Leibeigene handeln?
Gab es das überhaupt, dass die Kirche Leibeigene hatte?

Im Fall von Dorzewalde würde das bedeuten, dass ein Teil der Leute Leibeigene des Amtes Senftenberg waren und ein anderer Teil Leibeigene der Armenkasse. Ich habe nicht viel Ahnung davon, aber das kann ich mir nun gar nicht vorstellen. Leibeigenschaft hat doch was mit Grundherrschaft zu tun, wenigstens wenn man Wikipedia glauben kann (klick).
Die Armenkasse hatte bestimmt keine Leibeigenen.

Äh, ich will hier nicht rummosern. Ich finde es nur sehr interessant, sowas zu diskutieren. :)

Offline Harald

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #20 am: 17. Januar 2015, 23:26:43 »
Im wesentlichen ging es damals darum, an wen die Dorfbewohner ihre Abgaben landwirtschaftlicher Produkte zu liefern hatten - und das war damals Pflicht.
Als Gegenleistung sorgten die Empfänger für den Schutz ihrer Bewohner, vor allem bei feindlichen Angriffen wie z.B. im 30-jährigen Krieg.

Und was die Leibeigenschaft betrifft: sie wurde beispielsweise in Mecklenburg erst 1822 abgeschafft ! Also Vorsicht mit schnellen Schlüssen...;-)

Offline Frank

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #21 am: 17. Januar 2015, 23:38:20 »
Ja, dass es zu dieser Zeit, aus der die Karte ist, Leibeigenschaft gab, ist unbestritten.
Die Frage ist lediglich, ob die Kirche Leibeigene hatte, und konkret: ob "unsere" Reppister Bauern Leibeigene der Kirche waren. Da hab ich irgendwie Bauchschmerzen bei.

Laut diesem Wikipedia-Eintrag war das Amt Senftenberg eine Verwaltungseinheit des Kurfürstentums Sachsen.

Ich könnte mir denken, dass die Reppister Bauern Abgaben an das Amt Senftenberg zu entrichten hatten, und dass die Angabe "zur Kirch" auf der alten Karte nur bedeutet, dass sie zur (Senftenberger?) Kirche eingepfarrt waren.

Wäre das eine Gegenthese?

Wirklich Ahnung von Geschichte habe ich nicht ... aber so tastet man sich doch irgendwie ran.

Offline Harald

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #22 am: 18. Januar 2015, 10:25:25 »
Wichtig zu wissen ist, dass sich hinter dem Begriff "ZUR KIRCH" nicht unbedingt der Pfarrer der jeweiligen Dorf~ bzw. Amtskirche verbirgt, denn in der für die Karte relevanten Zeit gehörten sehr viele Dörfer den KLÖSTERN.
Für unsere Region war das in vielen historischen Dokumenten zitierte
KLOSTER DOBRILUGK der LEHNSHERR, dem die Bauern zwangsläufig den KIRCHENZEHNT zu zahlen hatten.

Auf der Webseite:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Dobrilugk
kann man u.a. lesen:

"Dem Kloster gehörten unter anderem die Dörfer Särchen, das heutige Annahütte, Dobristroh, das heutige Freienhufen, Drochow und das heute wüst liegende Dorf Nossedil..."

Da es hier heißt: "unter anderem",
neige ich zu der Annahme, dass auch REPPIST zu seinen Besitztümern gehörte. Da der Besitz aber ab & an auch veräußert wurde, kam es letztendlich später dazu, dass (fast) alle Dörfer unserer Gegend vom AMT SENFTENBERG vereinnahmt wurden.


Offline Frank66

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #23 am: 18. Januar 2015, 13:21:01 »
Laut Reppister Chronik wurde Reppist 1370 Kirchenbesitz und blieb es auch bis 1819. Die Senftenberger Kirche war Lehnsherrin von Reppist und das Dorf somit ein Kirchenlehen.
« Letzte Änderung: 18. Januar 2015, 13:43:17 von Frank66 »

Offline Harald

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #24 am: 18. Januar 2015, 13:45:14 »
Kompliment ! :-)
Ein echter Reppister mit Chronik im Gepäck ist immer im Vorteil.
Danke für die endgültige Aufklärung dieser Karten-Merkwürdigkeit ! ;-)

Wobei natürlich eine kleine Anmerkung gestattet sei:
In Siegfried Lueck's Broschüre >Unsere Heimat Reppist< heißt es u.a. ,
dass Heinrich von Köckritz das Dorf Reppist ganz konkret der Heiligkreuzkapelle auf dem Senftenberger Schloss schenkte...
- was wiederum die Frage aufwirft,
WER hier nun eigentlich sein "Süpplein gekocht hat"...:-/


« Letzte Änderung: 18. Januar 2015, 13:58:37 von Harald »

Offline Frank

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #25 am: 21. Januar 2015, 18:02:08 »
Hallo Frank66,

welche Chronik ist damit gemeint?

Offline Frank66

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Antw:Uralter Plan
« Antwort #26 am: 21. Januar 2015, 18:45:17 »
Hallo Frank,

die Reppist-Chronik, die Siegfried herausgegeben hat.